Erziehung und Entscheidung
Entscheidungen. Immer stehen Entscheidungen an.
Ein Gespräch mit meiner anfangspubertären Tochter. Wie lernt man, das man seine Entscheidungen selber treffen muss? Kinder sind gewöhnt, dass Eltern Entscheidungen für sie treffen. Erwachsen sein aber, im tiefsten Sinne heißt, die Folgen von Entscheidungen selber zu tragen.
Stehe ich vor einer Entscheidung, so habe ich grundsätzlich drei (und eigentlich sind es nur zwei) möglichen Antworten: Ja, Nein und weder noch.
Es sind tatsächlich nur zwei; denn Ja und Nein tragen in sich Folgen, für die ich durch diese Anwort einstehen muss. Es gilt also, die Folgen für mich zu prüfen und daraufhin zu beschliessen, diese zu akzeptieren und zu tragen.
Keine Antwort, ein “weder noch” ist die schlechte Alternative. Denn Entscheidungen die ich nicht treffe bleiben bei mir. Und zwar so lange bis sie so stark sind, dass ich von Außen entschieden werde. Dann habe aber nicht mehr ich entschieden. Weiter ist es so, dass nicht getroffene Entscheidungen mich drängen. Sie wollen beachtet werden. Wehre ich mich dagegen, dann muss ich Kraft aufbringen für diese Gegenwehr. Und das ist Lebenskraft die ich aufbringen muss! Die mir dann für meine eigentliches Leben nicht mehr zur Verfügung stehe.
Je mehr Entscheidungen ich also verschiebe, desto mehr Lebenskraft versickert in der Gegenwehr und desto weniger bleibt mir für mein eigentliches Leben.
Entscheidungen machen Angst. Denn treffe ich diese, so verschliesse ich immer auch die andere Wahlmöglichkeit; es ist diese Weggabelung an der ich stehe. Ich sehe vielleicht nicht weit, doch nur einen Weg kann ich gehen. Der andere bleibt unbegangen.
Angst ist die größte Macht im Leben. Wer ohne Angst seine Entscheidungen treffen kann, ist weise.
