Tristan und Isolde, Mannheim

November 17th, 2009 posted by d.

Mein “erster Wagner”: Tristan und Isolde. Das heißt in diesem Falle fünfeinhalb Stunden Nationaltheater Mannheim.

Nun bin ich ja kein großer Theatergänger und schon gar kein Wagner-Vertrauter. Was mir bei Wagner durch den Kopf schießt hat meistens mit überlangen, absonderlich modernen Inszinierungen und wahnwitzig teueren Profilierungsmeetings in Bayreuth zu tun. Und so bin ich doch leicht vorurteilsbelastet am Sonntag im Theater angekommen, 17:00 Uhr. Dass die reine Vorführungsdauer viereinhalb Stunden dauert wußte ich schon, mit zwei Pausen zwischen den drei Akten, also: Sitzfleisch gefordert.

Aufzug zum ersten Akt. Mein spontanter Eindruck: das Bühnenbild ist spannend. Einfach und doch vielseitig. Künstler Claus Bury hat sich da wirklich etwas einfallen lassen (wie ich dann im Programm nachlese). Hinzu kam, das über der Bühne, unauffällig, der Text eingeblendet wurde (wie ich ebenfalls später erfahre, sind viele Wagner-Solisten der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig und daher oft sehr schlecht zu verstehen). Offenbar ist man zu der Auffassung gelangt, dass die Worte zu wichtig seien, als das man diese irgendeinem Dünkel zu Opfer fallen lassen möchte. Gut so! Mir hat es sehr geholfen.

Was soll ich sagen? Im Vorfeld hörte ich dass es nur zwei Hörergattungen gäbe, jene die Wagner lieben, jene die ihn hassen. Zu den letzteren gehöre ich nach dieser Erfahrung sicher nicht. Der Abend ging sehr schnell herum, ich war nachgerade gebannt von dem Geschehen, das nicht (nur) über das Bühnenbild, sondern über Wort und Ton erzeugt wurde.

Ich bin, wie schon geschrieben, kein trainierter Klassikhörer, das ist aber (leider) sogar mir dann aufgefallen: Isolde (Nadine Secunde) war doch recht weit von einer echten Höhe entfernt, rein stimmlich, und wurde beim Vorhang doch tatsächlich ausgebuht. Ich war auch ein wenig sauer auf sie. Der Dritte Akt ist nun mal ein tiefer, emotionaler Höhepunkt den alle Sänger wunderbar aufbauten (auch wenn Tristan wirklich seeeeehhhhrrrrr lange verendet). Frau Secunde hat mit ihrer Schlußarie das mühevoll erklommene Stimmungsbild unglücklich zersäbelt. Schade.

Dennoch: sehr empfehlenswert. Hier die Besetzung die ich hörte: Tristan (Robert D. Smith als Gast (a.G.)), Isolde (Nadine Secunde a.G.), Brangäne (Heike Wessels), Kurwenal (Thomas Jesatko), König Marke (Franz Hawlata a.G.)

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