Wun-der-schön

Das Gerüst ist weg.. die Farbe dran.. wunderschön geworden unser neues Heim
Heute Morgen um viertel vor Sieben (!!) haben die Handwerker angefangen… tolle Zeit für Samstag. Mit kehren waren sie dann um 18:00 fertig. Super Truppe.

Das Gerüst ist weg.. die Farbe dran.. wunderschön geworden unser neues Heim
Heute Morgen um viertel vor Sieben (!!) haben die Handwerker angefangen… tolle Zeit für Samstag. Mit kehren waren sie dann um 18:00 fertig. Super Truppe.
Ich liebe diese Sommermorgende, die, bei denen in der Früh noch die Kühle eines erwartet heißen Tages herrscht. Und besonders liebe ich diese Tageszeit in einer großen Stadt, welche dann am besten an einem Meer, zumindest aber einem nennenswerten Fluss liegt.
Fahre ich zur Arbeit, so ist mein Weg stetsderselbe, die Stellen meiner Strecke bei denen ich aufpassen muss, und die Stellen, bei denen ich mich dem Verkehrsfluss gleichmütig einpassen kann. So passiere ich nach kurzer Zeit ein Schild „Hafengebiet“, hinter dem gleich eine Klappbrücke, oder nennt sich das Ziehbrücke, kommt. Auf dem leichten Anstieg diese Konstruktion hinauf kann ich links und rechts die Wasserfläche des Rheinischen Seitenarms sehen. Still, glatt, glänzend, ein Teil des Industriehafens Mannheim. More
Das schlurfende Geräusch allein macht Peter schon kirre; er hört es wenn der Nachbar aus der Balkontür tritt und sogleich entsteht vor seinem inneren Auge das Bild des Ganges, der Haltung: gebeugt, den Kopf gesenkt. Er hat ihn in den letzten drei Jahren sicher nicht oft Lachen sehen, oder hören, es mag sein, dass dieses Ereignis durchaus mit den Fingern seiner Hände gezählt werden könnte. Peter beobachtet ihn, wie er die Stufen hinunter zu dem neu angelegten Garten seines Reihenmittelhauses tritt, mehr als Kontur, durch die aus Schilfmatten errichtete Trennwand, die er gegen Peter im letzten Jahr errichtet hat. Dann sieht er ihn. Sein mit breiten Streifen quer geringeltes T-Shirt, dieses Mal blau-weiß, drängt Peter Bilder von riesigen Versandhallen eines Otto-Versands auf und kaschiert nicht mehr seinen Bauch, den er nun, Anfang Vierzig, vermutlich als „ehrbar tragfähig“ einstufen wird. More
(Der Hintere, das bin ich)
Seltsam: obschon ich (wir) in diesem Haus nur sehr kurz gewohnt haben, bleibt es in meinen Träumen stets mein Elternhaus.
Mein Vater war, und ist sicher noch, ein interessanter Mann gewesen. Wenngleich nicht im Sinne einer Weltläufigkeit. Er war die meiste Zeit seines Lebens Lehrer am örtlichen Gymnasium und sehr engagiert in der Politik, bei der SPD. Er hatte damals, kurz nach dem Krieg eine Jazz-Combo, spielte Gitarre und Klavier, Handballspieler, fest verwurzelt in seinem Dorf. Heute ist der Ort schon über 35.000 Einwohner groß, damals freilich noch lange nicht.
Das Haus wurde dem jungen, und noch studierenden, Paar von den Vätern geschenkt. Es hat eine besondere Lage, über der Stadt, ein wunderbarer und unverbaubarer Blick, es gibt einige Bilder von der Bauphase, in der mein Bruder und ich dem Vater “halfen”.
Nicht so lange nachdem wir eingezogen waren trennten sich meine Eltern und so war ich in dem fertigen Haus nur wenige Jahre.
Ich denke diese Jahre waren sehr prägend für mich, das Alter zwischen 4 und 8 vielleicht. Daher das positive Bild als “Elternhaus”. Nicht das Haus, wo ich dann später mit Mutter und Stiefvater wohnte (eigentlich auch nicht lange, ich bin mit 18 ausgezogen), wo ich die Pubertät erlebte.
Und danach wohnte ich in meinen Wohnungen (mit kurzen Unterbrechungen). Also scheint es auch aus dieser Sicht verständlich, dass eben jenes Haus so bedeutsam für mich ist.
Was die Klamotten angeht: ja, es gibt einige Bilder auf denen mein Bruder und ich dieselben Sachen trugen. Ob das oft so war weiß ich aber nicht mehr.
Heute ist die Wiese im Hintergrund schon lange nicht mehr, alles bebaut, der ganze Hang, nach hinten hinaus, bald bis an den Wald. Auch nach unten, den Hang hinunter, ist heute alles zu. Die dichte, stachelige Hecke, die uns spielenden Kindern als “Burg” diente, längst gerodet. Wege haben wir mühsam hineingeschnitten um darin geheime Verstecke zu haben. Und die Wiese oben hin zum Wald, auf der wir Drachen steigen ließen und die wir einmal, in wilder Flucht, gejagt von Bienen oder Wespen, entlang rannten, auch sie dürfte heute bebaut sein.
Ein schöner, und auch trauriger, Blick zurück. Er kommt gerade häufiger in mir hoch, der Vater.
Wieder Schnee. Es schneit und schneit und schneit. Dicke Flocken treiben herum.
Wieder im Auto unterwegs zum Büro. Ich stehe an einer Ampel, vorne, Poleposition. Von links überquert jemand die Spur zur Strassenmitte, dort ist eine Insel auf der er stehenbleibt. Die Fußgängerampel zeigt wohl Rot, auch wenn ich ebenfalls Rot habe und warte. Ich registriere ihn mehr, als das ich ihn sehe. Erst als er steht, sein Profil zu mir, weckt er meine Aufmerksamkeit. Gesenkter Kopf, ohne Bedeckung im Schneetreiben. Schultern leicht hoch gezogen, es ist unangenehm draußen. Lange Jacke, Tasche unter den Arm geklemmt, Hände in den Jackentaschen. Braun-blondes, eher schütteres Haar, nicht alt, vielleicht Anfang, Mitte Zwanzig. Ich höre ein Konzert von Bach im Radio, die Sitzheizung ist angenehm.
Er blickt kurz auf und geht zögerlich los. Offenbar hat er immer noch Rot doch er hat auch bemerkt das ich ebenfalls stehe und er wohl auch bei Rot die Spur überqueren könnte. Ich beobachte jede seiner Bewegungen, irgendetwas fasziniert mich an ihm. In diesem Moment schaltet meine Ampel auf Gelb, der junge Mann hat gerade den ersten Schritt getan, hat einen Schuh auf der Fahrbahn, den Blick auf den Boden, der Körper geneigt, ich denke (fühle): gepresst!
Ich drücke leicht auf das Gaspedal, nicht um anzufahren, sondern um mich bemerkbar zu machen und sehe ihn genau an. Der Mann zuckt zusammen als er den Motor hört und schreckt zurück. Dann passiert es: Gesenkten Hauptes schaut er mich an (unsere Augen treffen sich, wir sehen uns), erschrocken, ja geradezu unterwürfig macht er eine vorsichtige Handbewegung die mir bedeutet ich möge bitte fahren und dabei sehe ich seine Lippen bewegen, er sagt etwas. Ich kann es nicht hören aber es sieht aus als sagte er: “Bitte entschuldigen Sie. Es war mein Fehler, selbstverständlich haben Sie Vorfahrt. Ich mache natürlich Platz.” Ich weiß nicht was er sagt, aber so sah es aus. Unterwürfig. Der gesenkte Kopf, die Handbewegung, der scheue Blick.
Ich denke an gestern Abend: Ich war wieder in der Kletterhalle, und weil Ferien sind ist unsere Jüngere mitgegangen. Als Kletterpartner habe ich jemanden, der mit mir angefangen hat, ein junger Mann Mitte Zwanzig. Er sieht meine Tochter furchtlos die Wände erklimmen und sagt irgendwann zu mir, während wir ihr zusehen: “So viel Selbstbewusstsein! Das muss ich mir alles erst noch erarbeiten!”
Wieso darf es möglich sein, dass Menschen ohne Selbstbewusstsein aufwachsen.
Es schneit, wohl schon seit den frühen Stunden, die Strasse trägt eine festgefahrene Decke. Wir Autofahrer, im grauen Morgen eine endlose Linie an roten Flecken voraus, an blendenden Lichtern entgegenkommend, bewegen uns endlos wurmartig jeder zu seinem Ziel.
Auf der Gegenspur möchte jemand abbiegen, über meine Spur hinweg. Hinter ihm schon eine lange Kette Mitwartender. Ich verlangsame, gebe Lichtsignal, der Wagen kreuzt, ob der Schneedecke langsam, über meine Spur. Ich sehe nicht dass der Kreuzende grüßt oder dankt. Aber der LKW-Fahrer hinter diesem Wagen, der nun anfährt, hebt seine linke Hand zum Gruß. Ich grüße zurück. Ebenfalls mit der Linken. Handfläche offen nach vorne, die Finger leicht geöffnet, entspannt, wie jener.
Wir passieren und ich stelle überrascht fest, dass hier für einen ganz kurzen Moment eine Verbindung entstanden ist. Der Andere hat gedankt, dass ich ihm das Weiterkommen ermöglicht habe, und das mit einer Geste, die wohl so alt ist wie die Menschheit selber: mit der offenen Hand. Ob er sich darüber wohl auch Gedanken gemacht hat? Ich sinniere noch den ganzen restlichen Weg über dieses Ereigniss, überlege wie alt dieses Zeichen wohl ist, und ob es zum Weltwissen gehören mag? Oder zum kollektiven Unbewussten?
Die offene Hand symbolisiert von Alters her das ich “waffenlos” bin, ich zeige meine Hände damit der Andere weiß: ich verstecke nichts. Ein Zeichen des Friedens. Ähnlich wie das Lüften das Hutes noch aus einer Zeit stammt, als Ritter den Helm abnahmen um zu zeigen dass sie nicht zum Kampf gekommen waren, ist auch diese Geste, wenngleich viel älter, doch in unseren Alltag noch hochpräsent.
Mich faszinieren solche Verbindungen zu ganz alten Ritualen und ich stelle immer wieder fest, dass es eine ganz Reihe solcher “Alltäglichkeiten” gibt die wir unwillkürlich anwenden. Auf welcher Seite der Herr neben der Dame geht hat damit zu tun, mit welcher Hand er besser seinen Degen ziehen konnte. Oder Rangfolgen die auf hunderte von Jahren an Tradition anknüpfen.
Wir wenden diese Dinge an und es gibt uns ein gutes Gefühl. Es verbindet und verweist auf das “große Gemeinsame” der Menschen eines Landes und Kulturkreises, oder der ganzen Welt.
Schön.
just a normal day